25. August 2011 Dr. Volker Külow

Freistaat sollte „Kulturhauptstadt" Leipzig unterstützen -Impuls für gemeinsame regionale Identität dreier Bundesländer

Zur breiten Zustimmung im Leipziger Stadtrat zu einer möglichen Bewerbung der Stadt an der Pleiße um den Titel „Kulturhauptstadt Europas" erklärt der kulturpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. Volker Külow, der auch Vorsitzender der LINKEN in Leipzig ist:

Wir unterstützen dieses ambitionierte Mega-Projekt und sind uns mit der CDU über den Nutzen einer solchen Bewerbung einig. Leipzig ist eine Hochburg der Kreativwirtschaft, und wenn neben den Musik-Klassikern des 19. und den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts auch zeitgenössische Impulse in das Gesamtkonzept integriert werden, wird die Bewerbung in jedem Fall ein Erfolg für die Entwicklung unserer Stadt, unabhängig davon, ob der Titel letztlich erlangt wird. Denn die Jahre des Bewerbungsprozesses können einen dynamischen Beitrag zur Selbstverständigung und verstärkten Kooperation der kulturellen Akteure leisten.

Natürlich ist es ein Widerspruch, dass die CDU auf Landesebene dafür sorgt, dass die Novellierung des Kulturraumgesetzes Leipzig ein jährliches Minus von einer Million Euro gebracht hat, und sich nun auf Stadtebene für das Kulturhauptstadt-Projekt stark macht. Da wir LINKE dialektisches Denken gewohnt sind, wollen wir diesen Widerspruch konstruktiv nutzen und fordern, dass der Freistaat Sachsen eine solche Bewerbung, wenn es dazu kommt, tatkräftig und auch finanziell unterstützen muss. Das bald tausendjährige Leipzig steht als alte Universitäts- und Messestadt sowie Standort zahlreicher bedeutender Ausstellungen, Sammlungen und überregional bedeutender Spielstätten für lebendigen Austausch und ständige geistige Erneuerung.

Leipzig ist das Herzstück und der Mittelpunkt der Metropolregion Mitteldeutschland, der auch Halle und neun weitere Städte aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt angehören. Gerade auch mit Blick auf die derzeitige Überprüfung der Bewerbungsrichtlinien durch die Europäische Kommission und eine mögliche stärkere Orientierung auf Regionen - wie zuletzt auch das Ruhrgebiet als „Kulturhauptstadt" - könnte die Bewerbung Leipzig einen kulturpolitischen Meilenstein beim Aufbau einer gemeinsamen regionalen Identität der Menschen im Raum zwischen Dresden, Erfurt und Magdeburg bilden.

Nachdem CDU-Stadtrat und -Landtagsabgeordneter Wolf-Dietrich Rost erste positive Signale von Kunstministerin von Schorlemer erhalten haben will, wie er gestern im Rathaus erklärte, ist nun die Stunde für die Ministerin, es dem Leipziger Stadtrat gleichzutun und sich öffentlich mit dem Streben Leipzigs nach der „Kulturhauptstadt" solidarisch zu erklären und Unterstützung in Aussicht zu stellen.